Waldspaziergänge sind bei heurigem Wetterchen eine gute Erholung für uns Menschen.
Es gibt viel zu sehen, vor, neben und über uns. Wir erfreuen uns gerne an den verschiedensten Schönheiten der Natur, lassen uns vom Gezwitscher der Vögel, der Farben der Pflanzen und dem Duft des Waldes verzaubern.
Und dennoch hat diese ganze Gemütlichkeit auch einen Haken. Was unter unseren Füßen geschieht, das bemerken wir kaum.

Sicher, entdecken wir vor uns, unten auf dem Boden hockend einen kleinen Frosch, vielleicht einen Laubfrosch auf Durchreise, oder einen kleinen Hasen auf einem Stein sitzend, damit er besser in die Ferne schauen kann, gar ein süßes Vögelchen, das aus dem Nest gefallen ist, weil sich der Fallschirm nicht zeitig geöffnet hat, dann, ja, dann schauen wir schon nach unten, bieten Hilfe an, oder sprechen Mut zu.
Das aber alles ist eher die Ausnahme.
Denn kaum einmal bemerken wir, wie viele andere kleine Tierchen des Waldes eben auch die vielen Wanderwege benutzen, teilweise zu ihrem Lebensraum machen.
Da sind häufig die Ameisen, die in mühevoller Handarbeit kleine Wege, Pfade, Stege, Brücken und Tunnel gebaut haben, um ihre Waren zu transportieren.
Unzählige Käferarten haben sich hier niedergelassen, treffen sich zum Pläuschchen, tauschen Neuigkeiten aus, feiern kleine Feste.
Noch andere, uns vom Namen her meist unbekannte Krabbler nutzen auch die großen Wege, treiben ihre Geschäfte dort, sorgen für Ordnung, besprechen die nächste Jahreszeit, nutzen kleine Höhlen und Steinvorsprünge als Wohnung, manchmal als Eigenheim, wähnen sich und ihre Kinderstube in unbeschwerter Sicherheit.
Doch dieses Gefühl der Sicherheit ist arg trügerisch.
Denn irgendwann kommt einer von uns Menschen vorbei, trampelt wie eine Horde Elefanten über die Wanderwege, walzt alles nieder, begeht Fußgängerflucht, hinterläßt eine Spur der Verwüstung und eine Vielzahl nicht mal bemerkter Todesopfer.
Es ist schon ein gehöriges Trauerspiel, das sich während eines erholsamen Spaziergangs im Wald so abspielt.

Gut, das ist nun mal der Lauf der Welt, schwerlich zu ändern.

Dennoch schlage ich vor, hierzu mal eine Schweigeminute einzulegen.
Gedenken wir der vielen ungezählten, namenlosen Opfer des Waldes!